Ein Cannabisblatt liegt auf der Mittelkonsole neben dem Autoschlüssel.

Mit der Legalisierung von Cannabis stellen sich auch viele neue Fragen. Eine der wichtigsten für Autofahrer lautet: Welche Grenzwerte gelten jetzt? Ist Cannabis rauchen am Steuer überhaupt erlaubt? Welche Grenzwerte gelten für den vorherigen Konsum? Die Antworten auf diese und viele andere Fragen haben wir hier für Sie zusammengefasst!

Neue Regelungen seit Gesetzesänderung

Mit der Legalisierung von Cannabis wird vor allem der Eigenkonsum und Eigenanbau gestattet. Allerdings gibt es auch hier Rahmenbedingungen, an die sich jeder Konsument streng zu halten hat. Grundsätzlich gestattet die Gesetzesänderung den privaten Eigenanbau von bis zu drei Cannabispflanzen pro Erwachsenen. Ebenfalls gestattet ist der Eigenkonsum sowie der gemeinschaftliche Anbau in Genossenschaften. Der gewerbliche Eigenanbau ist hingegen nicht gestattet.

Mit einfachen Worten: Teilen Sie sich einen Garten mit Ihren Nachbarn oder anderen Gemeinschaften, dürfen Sie auch gemeinsam anbauen. Das gilt zumindest sofern Sie die Grenzwerte pro Kopf nicht überschreiten. Straffrei bleibt der Besitz von Cannabis, wenn die Menge 25 Gramm nicht überschreitet. Cannabis ist jedoch weiterhin unzugänglich von Kindern und Jugendlichen aufzubewahren. So gilt beispielsweise ein generelles Konsumverbot in der Nähe von Kinder- und Jugendeinrichtungen. Deshalb sollten Sie auch auf den Konsum verzichten, wenn Sie mit Kindern in den Urlaub fahren.

Cannabis am Steuer – Grenzwerte einhalten

Gesetzliche Grenzwerte für Cannabis am Steuer gab es bisher nicht. In der Rechtsprechung hatte sich allerdings bislang ein Wert von 1,0 Nanogramm THC im Blutserum etabliert. Bei einer höheren Konzentration drohten Sanktionen. Nur Bayern verzeichnete gelegentliche Ausnahmen in der Rechtsprechung. So blieb in einigen Fällen vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof auch eine höhere Konzentration sanktionsfrei. Ganz anders sieht die Sache in Deutschland bei Alkohol aus: Hier gibt es strenge gesetzliche Werte wie die 0,5 Promille-Marke. Laut Empfehlung einer Expertenkommission sollen jedoch bald neue THC-Grenzwerte gelten. Sanktionsfrei soll künftig ein Wert bleiben, der bis maximal 3,5 Nanogramm pro Milliliter Blutserum geht. Erst ab einer höheren Konzentration soll eine verkehrssicherheitsrelevante Wirkung nicht fern liegen. Zu erwarten ist, dass diese Grenzwerte in naher Zukunft auch in die Gesetzestexte aufgenommen werden.

Von Fachleuten wird der Grenzwert für verbotenes Fahren unter dem Einfluss von Cannabis seit Jahren diskutiert. Viele Experten befürworten strenge Grenzwerte, die ähnlich wie bei Alkohol möglichst niedrig ansetzen. Auf der anderen Seite sprachen sich in den vergangenen Jahren immer mehr Fachleute für höhere Grenzwerte aus. Eine Konzentration von 1,0 Nanogramm sei so gering, dass sie noch keine verkehrssicherheitsrelevante Wirkung nachweisen könne. Vielmehr könne niedrige Wert leidglich einen vorherigen Cannabis Konsum festzustellen. Das reiche aber nach Meinung vieler Fachleute nicht für Sanktionen.

Auffälligkeiten beim Fahren irrelevant

Immer wieder beschweren sich Autofahrer über Bußgeldzahlungen. Dies geschieht vor allem, wenn keine Auffälligkeiten in der Fahrweise vorlagen. Ob Auffälligkeiten beim Fahren zu erkennen waren oder nicht, ist jedoch völlig unerheblich. Die Grenzwerte sind streng einzuhalten, auch wenn der Fahrer grundsätzlich keinen Fehler begangen hat. Das bedeutet auch für den Cannabis Konsum: Auch wenn Sie ohne Schwierigkeiten fahren können, müssen Sie die Grenzwerte einhalten. Erreichen Sie eine höhere TCH Konzentration, droht eine Strafe. Dadurch können auch kleine Parkrempler zum größeren Problem werden. Vor allem kann THC im Urin bis zu drei Monate lang nachgewiesen werden. 

Cannabis und Autofahren – ist das Rauchen am Steuer verboten?

Eine denkbare Szene: Der Beifahrer raucht auf der Fahrt gemütlich einen Joint und bietet dem Fahrer auch einen Zug an. Doch ist das erlaubt? Wenn Sie glauben, dass einmal ziehen keine schlimmen Konsequenzen haben sollte, täuschen Sie sich leider. Grundsätzlich ist selbst das Rauchen einer Zigarette beim Autofahren nicht direkt verboten. Sofern Sie die Grenzwerte nicht überschreiten, sollte also auch am Joint ziehen kein Problem sein. Allerdings sieht dies ganz anders aus, wenn Sie die Handlung ablenkt und Sie Fahrauffälligkeiten aufweisen. Sind Sie durch die Ablenkung unaufmerksam und begehen einen folgenschweren Fehler, können Sie wegen grober Fahrlässigkeit belangt werden. Das gilt selbst, wenn Sie nur einen kurzen Moment unauffällig sind. Das gleiche sollte für das Ziehen an einem Joint am Steuer gelten. Grundsätzlich ist von dieser Handlung stark abzuraten. Möchten Sie unbedingt Cannabis konsumieren, sollten Sie dies konsequent nach dem Autofahren machen.

Eine Cannabisblatt liegt auf Euroscheinen.

© Mc_Cloud/shutterstock.com | Je nach Überschreitung der Grenzwerte drohen hohe Bußgelder.

Bußgeld für Cannabis – welche Strafen drohen?

Vielfach wird empfohlen, das Konsumieren von Cannabis auch im Straßenverkehr gänzlich zu unterlassen. Dies ist sicherlich keine Überraschung, gibt es diese Empfehlungen schließlich auch beim Autofahren. Trotz offizieller 0,5 Promille-Grenze gibt es zahlreiche Experten, die gänzlich vom Alkoholkonsum vor dem Fahren abraten. Sofern Sie die Richtlinien einhalten und keinen Unfall begehen, müssen Sie allerdings keine Sanktionen befürchten. Anders sieht dies aus, wenn Sie in einem Unfall verwickelt sind. Lässt sich ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Cannabis und dem Unfall feststellen, drohen Sanktionen. Das gilt auch dann, wenn die Werte niedrig bleiben. In diesem Fall zahlt vielleicht auch die Kfz-Versicherung nicht.

Sanktionen im Überblick

Grundsätzlich gilt im Bezug auf Sanktionen folgendes:

  • Bußgelder drohen für Cannabis Konsum am Steuer als Ordnungswidrigkeit gemäß § 24a Absatz 2 StVG
  • Als Straftat gilt, wenn der Fahrer nicht mehr zum Fahren in der Lage ist (ähnlich wie Trunkenheit im Verkehr gemäß § 315 Strafgesetzbuch)
  • Bei Gefährdung von Menschen oder Sachen gelten höhere Strafen wegen Gefährdung des Straßenverkehrs ( § 315c StGB)
  • in wiederholten oder schweren Fällen drohen auch Punkte in Flensburg oder ein Fahrverbot
  • in wiederholten oder schweren Fällen droht außerdem der Entzug der Fahrerlaubnis

Werden Sie mit einer zu hohen Cannabiskonzentration am Steuer erwischt, drohen Bußgelder. Abhängig ist die Strafe jedoch zum einen von der Höhe der Konzentration. Zum anderen ist relevant, ob Auffälligkeiten beim Fahren festgestellt wurden. Auch das Mischen von Rauschmitteln wie Cannabis und Alkohol kann die Probleme erschweren. Schließlich kann die Kombination beider Rauschmittel die Fahrtüchtigkeit stärker beeinträchtigen.

Mehr Ärger kann außerdem dann auf Sie zukommen, wenn Sie wiederholt im Straßenverkehr mit zu hohen Cannabiskonzentrationen erwischt werden. Besteht begründete Sorge zur Annahme einer Abhängigkeit, kann eine MPU angeordnet werden. Im Rahmen einer medizinisch-psychologischen Untersuchung soll festgestellt werden, ob begründetet Sorge zur allgemeinen Fahrtüchtigkeit besteht oder nicht.

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Stärkere Strafen für wiederholtes Handeln

Grundsätzlich werden sich die Strafen bei Ersttätern in Grenzen halten. Auch eine MPU müssen Ersttäter in der Regel nicht befürchten. Bei wiederholtem oder schwerwiegenden (Peronen-) Schäden droht im schlimmsten Fall eine Freiheitsstrafe. Nehmen Sie den Konsum von Cannabis im Straßenverkehr daher nicht auf die leichte Schulter.
Übrigens werden mit der Gesetzesänderung nicht nur neue Grenzwerte beim Autofahren relevant. Mit der Cannabis-Legalisierung werden zunehmend mehr Gemeinden und Bundesländer eigene Konsumregeln festlegen. So hat beispielsweise Bayern angekündigt, das Kiffen auf Volksfesten und den Biergarten komplett zu verbieten. Das schließt die berühmten Wiesn mit ein. Cannabis darf auf dem Oktoberfest also gar nicht konsumiert werden.

Fazit – Cannabis Legalisierung mit Grenzwerten

Mit der generellen Legalisierung von Cannabis gehen auch zahlreiche neue Regelungen einher. Konkrete Grenzwerte werden nicht nur im Straßenverkehr relevant. Mit der Legalisierung sollen die Cannabis Grenzwerte beim Autofahren zukünftig angehoben werden. Autofahrer dürfen bald gegebenenfalls eine Konzentration von max. 3,5 Nanogramm im Blut beinhalten. Dieser Wert ist mehr als drei Mal so hoch wie der bisherige. Wer die Grenzwerte überschreitet, muss mit Bußgeldern und in schwerwiegenden Fällen auch mit einer MPU oder sogar Freiheitsstrafe rechnen. Da der Konsum die Fahrtüchtigkeit maßgeblich beeinträchtigen kann, empfehlen wir Ihnen, Ihr Limit sicher zu kennen. Konsumieren Sie nur unter Vorsicht. Wenn Sie am Steuer rauchen und das Auto weiterverkaufen möchten, sollten Sie den Rauchgeruch aus dem Auto entfernen.

Häufige Fragen

Wo liegt der THC-Grenzwert beim Autofahren?

Aktuell wird sich am Grenzwert von 1 Nanogramm orientiert. Laut einer Expertenkommision soll der THC-Grenzwert bald eventuell auf 3,5 Nanogramm erhöht werden.

Wie lange sind 5 Züge am Joint nachweisbar?

Die Dauer, wie lange THC-Carbonsäure im Urin nachweisbar ist, variiert je nach Konsumverhalten. Bei einmaligem Gebrauch kann Cannabis schon bis zu 24 bis 36 Stunden nach dem Konsum im Urin festgestellt werden. Bei regelmäßigem Konsum lässt sich Cannabis für etwa fünf bis sieben Tage nachweisen.

Was bedeutet Cannabis Legalisierung für Autofahrer?

Ähnlich wie Alkohol beeinträchtigt auch Cannabis die Fähigkeit, Auto zu fahren. Daher gibt es Einschränkungen für das Autofahren unter dem Einfluss von Cannabis und es sollte immer mit Rücksicht auf die Beeinträchtigung konsumiert werden.