Nahaufnahme vom Tachostand eines deutschen Autos.

Vieles ändert sich im Leben, auch die jährliche Fahrleistung. Vielleicht haben Sie einen anderen Arbeitsplatz gefunden oder arbeiten mehr im Homeoffice. Schnell verschieben sich die vertraglich vereinbarten Kilometer. Was aber tun, wenn sich Ihre gefahrenen Kilometer von denen im Vertrag unterscheiden? Worauf es ankommt, und was es zu beachten gibt, erfahren Sie in unserem Beitrag.

Warum spielt die Fahrleistung eine Rolle?

Die jährliche Fahrleistung spielt zur Berechnung Ihres monatlichen Versicherungsbeitrages eine maßgebliche Rolle. Verkehrsteilnehmer, die mehr Kilometer fahren, haben ein höheres Unfallrisiko. Im Klartext bedeutet dies, je mehr Kilometer Sie im Jahr fahren, desto höher ist der Beitrag. Alle Kfz-Versicherungen haben deshalb Staffelungen. Diese variieren je nach Anbieter. Als groben Überblick bieten sich folgende Richtwerte an:

  • bis 9.000 Kilometer jährlich
  • bis 12.000 Kilometer jährlich
  • bis 15.000 Kilometer jährlich
  • bis 20.000 Kilometer jährlich
  • bis 25.000 Kilometer jährlich
  • bis 30.000 Kilometer jährlich
  • über 30.000 Kilometer jährlich

Die jährlichen Fahrkilometer korrekt berechnen

Ermitteln Sie zuerst die zwingend notwendigen Kilometer:

  • Fahrten, die Sie für Ihren Arbeitsweg benötigen (Hin- und Rückfahrt)
  • tägliche Fahrten zum Beispiel zum Kindergarten

Ihre jährliche Fahrleistung können Sie in wenigen Schritten selbst berechnen. Dafür benötigen Sie die Distanz in Kilometern zwischen Ihrer Arbeitsstelle und Ihrer Wohnung. Als Hilfe können Sie Navigationssysteme wie Google Maps nutzen. Dort tragen Sie die Adressen ein und erhalten die Distanz in Kilometern. Fahren Sie einen Umweg, um zum Beispiel Ihr Kind im Kindergarten abzusetzen, können Sie dies als Zwischenstopp hinzufügen. Die Strecke multiplizieren Sie mit zwei für die Hin- und Rückfahrt. Dadurch ergibt sich Ihre Anzahl an Kilometer pro Arbeitstag. Anschließend multiplizieren Sie dies mit der Anzahl an Tagen in der Woche, die Sie zur Arbeit fahren. Hiermit errechnet sich die gefahrene Strecke durch die Arbeit pro Woche.

Überlegen Sie sich, ob wöchentliche Fahrten vorliegen, wie beispielsweise:

  • Besuch bei Verwandten und Freunden
  • Fahrten zu Sportveranstaltungen
  • Fahrten zu Ärzten
  • Einkäufe

Beide Ergebnisse zählen Sie zusammen. So ergeben sich die erwartungsgemäße Kilometeranzahl pro Woche. Diese Summe multiplizieren Sie mit 52 Wochen. So ermitteln Sie Ihre ungefähre Kilometerleistung pro Jahr.

Sollten Sie regelmäßige zusätzliche Fahrten unternehmen, wie beispielsweise Urlaubsfahrten, müssen Sie diese noch dazuzählen. Generell sollten Sie großzügiger planen.

Jährliche Fahrleistung berechnen Beispiel

Distanz Wohnung und Arbeitsplatz × 2 = Kilometer pro Arbeitstag

Kilometer pro Arbeitstag × 5 Tage pro Woche = Kilometer Arbeit pro Woche

(Kilometer Arbeit pro Woche + weitere wöchentliche Kilometer) × 52 Wochen = Mindestkilometer pro Jahr

Mindestkilometer pro Jahr + Urlaubsfahrten + extra Kilometer = ungefähre jährliche Fahrleistung

Sandra bringt vor der Arbeit Ihre Tochter in den Kindergarten. Nach der Arbeit holt Sie diese wieder ab. Die Strecke von der Wohnung zum Kindergarten und Kindergarten zur Arbeit beträgt 40 Kilometer. Das macht Sie an 5 Tagen in der Woche. Außerdem fährt sie einmal die Woche einkaufen und verbindet das mit einem Besuch bei Ihrem Vater oder Freunden. Daraus ergeben sich weitere 30 Kilometer in der Woche. Zusätzlich fahren sie jedes Jahr 1.000 Kilometer nach Paris.

40 km × 2 = 80 Kilometer pro Arbeitstag
80 km × 5 Tage = 400 Kilometer für die Arbeit pro Woche
400 km + 30 km = 430 Gesamtkilometer pro Woche
430 × 52 + 1.000 = 23.360 Kilometer im Jahr

Daraus ergibt sich eine Laufleistung von ungefähr 23.360 Kilometer im Jahr. Sandra geht auf Nummer sicher und plant noch unvorhergesehene Arztbesuche, Sportveranstaltungen oder Umwege mit ein. Deshalb gibt sie eine jährliche Fahrleistung bis 25.000 Kilometer bei Ihrer Versicherung an.

Hinweis: Auch die Schadensfreiheitsklasse hat Einfluss auf den Versicherungsbeitrag.

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Jährliche Fahrleistung überschritten: was nun?

Grundsätzlich müssen Sie sich keine großen Sorgen machen, sollten Sie bei Ihrer Kfz-Versicherung die Kilometer überschritten haben. Vorausgesetzt, Sie verhalten sich richtig. In jedem Fall müssen Sie der Versicherung umgehend aufzeigen, dass Sie mehr Kilometer als vertraglich vereinbart gefahren sind. Sie erhalten von Ihrer Versicherung eine Neueinstufung mit dem aktuellen Versicherungsbeitrag.

Schlimmer verhält sich der Fall, wenn Sie die überschrittene Fahrleistung gar nicht dem Versicherer melden. Sollte Ihre Versicherung von diesem Umstand Kenntnis erlangen, zahlen Sie nicht nur die Nachzahlung dessen, was Sie bisher zu viel gefahren sind, sondern unter Umständen auch eine Vertragsstrafe. Je nach Versicherung kann diese unterschiedlich hoch ausfallen.

Brenzlig wird es, wenn Sie deutlich zu viele Kilometer als angegeben gefahren und zum Beispiel in einen Auffahrunfall verwickelt sind. Hier kann es dazu führen, dass der Versicherer die von ihm an den Unfallgegner gezahlte Schadenssumme von Ihnen einfordert. Zwar verfügen Versicherungen über eine Kulanz, diese gilt es aber nicht auszureizen.

Mehr Kilometer gefahren als angegeben: Wie melde ich es der Versicherung?

Wie beschrieben, stellt es kein großes Problem dar, wenn Sie bei Ihrer Autoversicherung die Kilometer überschritten haben. Allein die frühzeitige Meldung ist entscheidend. Um das möglichst zeitnah zu erledigen, sollten Sie sich an folgende Schritte halten.

Gleichen Sie in Ihren Versicherungsunterlagen ab, ob Sie die richtige, eingetragene jährliche Fahrleistung vor Augen haben. Dies hilft spätere Missverständnisse zu vermeiden. Vielleicht haben Sie doch mehr Kilometer angegeben als Sie in Erinnerung haben. Ist dies nicht der Fall und es sind zu wenig Kilometer eingetragen, notieren Sie den aktuellen Tachostand des Fahrzeuges. Teilen Sie der Versicherung den aktuellen Wert mit. Bei vielen Anbietern ist dies auch telefonisch möglich. Bei einem persönlichen Gespräch haben Sie den Vorteil, dass Sie eventuelle Fragen zu den neuen Konditionen gleich klären können. Anschließend erhalten Sie von Ihrer Autoversicherung eine Mitteilung, indem die neuen Konditionen und der zu zahlende Beitrag aufgelistet sind.

Jährliche Fahrleistung unterschritten: Habe ich Vorteile?

Wer weniger Kilometer gefahren ist als angegeben, kann dies seiner Versicherung ebenfalls mitteilen. Schließlich lohnt es sich, über eine neue Einstufung nachzudenken. Ist das Jahr eher eine Ausnahme und Ihre Kilometeranzahl erhöht sich im kommendem Kalenderjahr erhöht, ist davon ist abzuraten. Ansonsten fahren Sie mehr Kilometer als angegeben.

Dennoch kann es sich lohnen, die „nicht verbrauchte“ Fahrleistung seinem Versicherungsanbieter mitzuteilen. Manche Kfz-Versicherungen können eine Erstattung bei weniger gefahrenen Kilometer gewähren. Im Klartext werden Ihnen die nicht gefahrenen Kilometer als Auszahlung vergütet.

Hinweis: Bei einem Auto-Abo ist die Kfz-Versicherung bereits im monatlichen Beitrag enthalten.

Fazit

Unabhängig davon, ob Sie Ihre jährliche Fahrleistung unterschritten haben oder mehr Kilometer gefahren sind als angegeben, sollten Sie dies Ihrer Versicherung melden. Schließlich können Sie in beiden Fällen nur profitieren. Bei mehr Kilometern sparen Sie sich durch das Nachmelden unnötigen Ärger und nachträgliche Kosten. Bei weniger gefahrenen Kilometern gibt’s unter Umständen sogar Geld zurück. Es lohnt sich daher immer seine Fahrleistung im Blick zu haben. Dabei entwickelt sich durch die Beobachtung der Fahrleistung auch ein besseres Gefühl für die Verschleißteile am Auto.

Häufige Fragen

Was passiert wenn man die angegebene km überschreitet?

Wenn Sie die angegebenen Kilometer im Jahr deutlich überschreiten, kann Sie das einen weiteren Jahresbeitrag kosten. In der Regel sind kleine Differenzen kein Problem. Versicherer geben meist eine Toleranz zwischen 10 und 15 Prozent an. Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Versicherer. Dieser wird die Änderung festhalten und voraussichtlich den Beitrag erhöhen, da sich das Unfallrisiko mit mehr Kilometern erhöht.

Wie viel Nachzahlung bei km Überschreitung?

Viele Versicherungen geben bei einer Abweichung von 1.000 Kilometern eine Nachzahlung in Höhe von 3 bis 8 Prozent des Jahresbeitrages an. 

Wann will die Versicherung den Kilometerstand wissen?

Normalerweise geben Sie den Kilometerstand bei Abschluss der Versicherung an. Danach fragt die Versicherung eher bei Unfällen oder der Inanspruchnahme der Leistung nach dem Kilometerstand.