Zapfpistole hängt im Tank eines Autos an der Tankstelle.

Möglichkeiten, ein Auto falsch zu betanken, gibt es genug. Doch welche Abhilfe kann geschaffen werden, wenn erst der falsche Sprit im Tank ist? Darf man trotzdem fahren? Muss der Pannendienst gerufen werden? Dies ist sowohl von der Art der Fehlbetankung als auch von der Menge des falsch getankten Kraftstoffs abhängig.

Das erwartet Sie in diesem Artikel

(Lesedauer ca. 7 Min.)

Fehlbetankung – Wie kommt es dazu?

Mögliche Gründe für eine Fehlbetankung gibt es genug. Oftmals trifft es Personen, die mit mehr als einem Pkw zu tun haben. Wer einen Firmenwagen mit Dieselmotor hat und privat einen Benziner fährt, der greift aus Gewohnheit schnell zur falschen Zapfpistole. Auch wenn in der Familie mehrere Autos mit unterschiedlichen Motorenarten vorhanden sind, verliert man schnell den Überblick.

Die Beschriftungen an den Zapfsäulen tun ihr Übriges dazu. Oftmals steht dort heute nicht mehr die eindeutige Bezeichnung, sondern die Kraftstoffe werden mit Phantasienamen angepriesen: Ultimate, Fuel Save, Excellium – da ist oftmals nicht ganz klar, was sich dahinter verbirgt.

Eine große Gefahrenquelle für Fehlbetankungen sind außerdem befüllte Kanister, bei denen nicht genau bekannt ist, was eigentlich drin ist.

Falsche Oktanzahl getankt – in der Regel belanglos...

Benzin mit der falschen Oktanzahl zu tanken, konnte früher verheerende Auswirkungen haben. Bei einer zu niedrigen Oktanzahl kommt es zum Motorklopfen. Das bedeutet, der Sprit zündet bereits während des Verdichtens, noch bevor der Zündfunke ihn entzündet. Dadurch wird der Kolben mitten in seiner Aufwärtsbewegung gestoppt – ein sehr belastender Vorgang für die gesamte Mechanik des Motors, der zu hohem Verschleiß und zu Motorschäden führen kann.

... und eher die Seltenheit

Die gute Nachricht: Heute kommt dieses Problem kaum noch vor. Normalbenzin mit einer Oktanzahl von 91 wird heute an Tankstellen praktisch nicht mehr angeboten. Es gibt nur noch die Qualität vom Superbenzin aufwärts. Die meisten Benziner sind heute für Superbenzin optimiert. Zudem haben moderne Fahrzeuge einen Klopfsensor. Dieser erkennt die Spritqualität und regelt den Zündzeitpunkt automatisch. Motorklopfen kann damit nicht mehr vorkommen. Im Ausland wird bisweilen aber weiterhin Benzin mit einer Oktanzahl von 91 oder sogar noch darunter angeboten.

Wurde Benzin mit einer zu geringen Oktanzahl getankt, so gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Problem zu lösen. Wurde nur eine geringe Menge getankt, kann in der Regel noch gefahren werden. Der Motor sollte dabei so wenig wie möglich belastet werden. Es sollte also weder mit hohen Drehzahlen noch mit viel Gas bei niedrigen Drehzahlen gefahren werden. So bald wie möglich sollte Benzin mit der korrekten oder einer höheren Oktanzahl nachgetankt werden. Es gibt im Kfz-Handel außerdem sogenannte Oktanbooster, das sind Additive, welche die Oktanzahl erhöhen. Deren Einsatz bietet sich an, wenn bereits viel Sprit mit falscher Oktanzahl im Tank sein sollte.

Wurde versehentlich eine höhere Oktanzahl getankt, so schadet dies nicht. Es bringt aber meist auch keinen Vorteil. Ältere Fahrzeuge, die für Normal- oder Superbenzin ausgelegt sind, können auch mit Super Plus oder anderen Benzinsorten betrieben werden, die einen höhere Oktanzahl besitzen. Sofern das Fahrzeug einen Klopfsensor besitzt, kann dies sogar in einem geringfügig niedrigeren Benzinverbrauch oder einer Mehrleistung resultieren. Oftmals sind die Vorteile aber so gering, dass es sich nicht lohnt.

Zapfsäulen für unterschiedliche Kraftstoffe an einer Tankstelle.

Bei falschen Gewohnheiten, kann aus versehen schnell zum falschen Zapfhahn gegriffen werden.

Super E10 statt Super getankt – es kommt auf das Fahrzeug an

Schwieriger wird es schon, wenn versehentlich Benzin mit einem anderen Anteil an Bio-Sprit getankt wurde. Benzin wird heute üblicherweise Ethanol zugesetzt. Dies ist ein Alkohol, der meist aus Pflanzen wie Zuckerrohr oder Mais gewonnen wurde. Hierdurch sollen die Erdöl-Reserven geschont werden. Ethanol hat allerdings einen geringeren Brennwert und eine geringere Schmierwirkung als Benzin. E5 enthält bis zu 5 % Ethanol, E10 dagegen bis zu 10 %. Nicht alle Motoren kommen mit einem hohen Ethanolgehalt zurecht. Es kann die Verbrennung ungünstig beeinflussen und sogar dazu führen, dass Metall korrodiert oder Plastikteile verspröden. Hierdurch können das Kraftstoffsystem, Motorteile oder Dichtungen Schaden nehmen.

Die allermeisten Pkw mit Benzinmotor vertragen es, anstelle von E5 alternativ auch mit E10 betankt zu werden. Ausnahmen gibt es aber. Zum Beispiel dürfen die FSI-Motoren von Audi aus den frühen Generationen nicht damit betrieben werden, ebenso viele 16V-Motoren von Fiat. Auch Mercedes-Direkteinspritzer gehören dazu. Oldtimer und Autos mit Vergaser sollten im Zweifelsfall auch nicht mit E10 betrieben werden. Gewissheit geben die ausführlichen Herstellerlisten, die im Internet eingesehen werden können.

Wurde versehentlich E10 anstelle von E5 getankt, so ist dies in geringen Mengen nicht schlimm. Das Problem kann gelöst werden, indem eine größere Menge E5 zugetankt und somit der Ethanolanteil verdünnt wird. Aral Ultimate enthält übrigens kein Ethanol und Shell V-Power in Konzentrationen von deutlich unter einem Prozent. Durch Zutanken dieser Sorten kann daher der Ethanolanteil nach dem Tanken von E10 wieder neutralisiert werden. Nur wenn das Fahrzeug ausdrücklich keine Freigabe für E10 hat und der Tank größtenteils damit befüllt wurde, sollte der Sprit ausgepumpt werden.

Benzin statt Diesel getankt – für moderne Fahrzeuge gefährlich

Von Besitzern älterer Dieselfahrzeuge wird im Winter gerne etwas Benzin in den Diesel getankt, um diesen bei Minusgraden fließfähiger zu machen. Diese Angewohnheit aus alten Tagen ist heute aber überflüssig. Die Tankstellen mischen dem Diesel im Winter ohnehin Fließverbesserer hinzu, es handelt sich um sogenannten Winterdiesel. Vor allem ist diese Maßnahme nur bei sehr alten Vorkammer- oder Wirbelkammer-Dieselmotoren unbedenklich. Nahezu alle halbwegs modernen Dieselmotoren sind heute aber Turbodiesel mit Hochdruck-Einspritzung. Hier ist das Tanken von Benzin sehr gefährlich. Während Diesel aufgrund seiner öligen Konsistenz einen Schmierfilm bildet, besitzt Benzin eine starke Reinigungswirkung. Die Einspritzpumpen und Düsen moderner Dieselfahrzeug sind aber auf diese Schmierwirkung angewiesen. Werden sie auch nur anteilig mit Benzin betrieben, setzt sehr starker Verschleiß ein. In diesem Fall gilt: Den Motor und die Zündung gar nicht erst starten und den Tank auspumpen lassen. Ansonsten drohen teure Folgekosten. Haben Sie Benzin statt Diesel getankt und sind gefahren, kann bereits Verschleiß aufgetreten sein, der zu Motorschäden führen kann.


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Diesel statt Benzin getankt – kommt selten vor

Diesel anstelle von Benzin zu tanken, ist an einer Tankstelle so gut wie unmöglich. Zur Sicherheit sind nämlich die Zapfpistolen für Diesel im Durchmesser größer und passen nicht in die Tankstutzen von Benzinern. Spätestens beim Versuch, die Zapfpistole einzuführen, sollte der Autofahrer also bemerken, dass etwas nicht stimmt. Wird trotzdem die Zapfpistole betätigt, so verhindert die bei Benzinern vorhandene Klappe am Einfüllstutzen, dass Diesel in den Tank gelangt. Stattdessen läuft alles daneben.

Es kann allerdings mitunter vorkommen, dass versehentlich Diesel getankt wird. Dies ist vor allem beim Nachfüllen mit einem Kanister der Fall. Kanister haben meist nur die kleine Einfüllöffnung für Benziner. Wurde dagegen Diesel in den Kanister gefüllt, so kann dieser versehentlich getankt werden.

Ist dies der Fall, sollte das Auto am besten stehen bleiben. Ältere Benziner vertragen es durchaus, wenn eine geringe Menge Diesel, bis ca. 5 %, im Tank ist. Moderne Benziner mit Hochdruck-Direkteinspritzung können auf den Diesel jedoch mit Schäden reagieren. Recherchieren Sie daher besser, ob eine Weiterfahrt bei Ihrem Fahrzeug möglich ist. Selbst wenn dies der Fall ist, sollte so rasch wie möglich Benzin nachgetankt werden, um das Mischungsverhältnis zu reduzieren.

Bei folgenden Symptomen sollte auf jeden Fall angehalten werden:

  • Motor läuft unrund
  • Leistungsverlust
  • Motorwarnleuchte erscheint
  • untypische Motorengeräusche
  • schlechtes Startverhalten
  • Motor geht aus
Offene Tankklappe am Diesel mit AdBlue Tank.

AdBlue sollte niemals in den normalen Diesel Tank gefüllt werden.

AdBlue in den Tank gefüllt

AdBlue ist ein Additiv zur Abgasreinigung, das in den Abgasstrom des Fahrzeugs eingespritzt wird. Es wird in einem separaten Tank eingefüllt. Im Dieseltank hat es gar nichts zu suchen. Leider führt die Anwendung von AdBlue vor allem bei Leuten, die mit der Technik nicht vertraut sind, zu Missverständnissen. Eine Lappalie ist es allerdings nicht, wenn dieses in den Kraftstoff gelangt. Der Tank muss ausgepumpt und gereinigt werden. Wurde bereits der Motor angelassen, können Schäden an den Einspritzdüsen, der Kraftstoffpumpe, den Leitungen und Filtern entstehen. In einem solchen Fall müssen auch diese von einer Werkstatt untersucht und nötigenfalls ausgetauscht werden.

Tank auspumpen Kosten und Optionen

Haben Sie Ihr Auto falsch getankt und muss der Tank unweigerlich ausgepumpt werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Manchmal kann das Tankstellenpersonal helfen, aber nicht immer ist das nötige Equipment vorhanden. Pannendienste sind für diesen Fall der ideale Ansprechpartner. Das Auspumpen des Tanks inklusive Entsorgung des Kraftstoffgemischs kann allerdings einige hundert Euro kosten. In den meisten Fällen übernehmen jedoch weder Pannendienste noch Kfz-Versicherungen die Kosten, da es sich um Eigenverschulden handelt.

Inwiefern Kosten von Folgeschäden durch die Versicherung abgewickelt werden können, ist vom Anbieter der Versicherung abhängig.

Fazit

Das der falsche Sprit getankt wird, ist keine Seltenheit. Je nach Art des Kraftstoffes und der Menge, ist es Ratsam einen Fachmann zu rufen. Nicht immer ist es nötig, das Fahrzeug stehen zu lassen. Unabhängig dessen ist es in jeder Lage nötig, so viel vom richtigen Kraftstoff wie möglich nachzutanken. So vermischt sich der falsche Sprit wieder mit einem kleineren Verhältnis zum richtigen Treibstoff.

Häufige Fragen

Was ist schlimmer Diesel in Benziner oder umgekehrt?

Grundsätzlich macht es die Mischung. Ist das Verhältnis von Diesel zu Benzin für den jeweiligen falschen Motor zu hoch, können Motorschäden die Folge sein. Nahezu alle halbwegs modernen Dieselmotoren sind heute Turbodiesel mit Hochdruck-Einspritzung. Hier ist das Tanken von Benzin sehr gefährlich. Ältere Benziner vertragen es durchaus, wenn eine geringe Menge Diesel, bis ca. 5 %, im Tank ist. Moderne Benziner mit Hochdruck-Direkteinspritzung können auf den Diesel jedoch mit Schäden reagieren.

Wie lange dauert es bis man merkt, dass man falsch getankt hat?

Je nachdem wie das Verhältnis zwischen richtig und falschem Kraftstoff im Tank ist, kommen die Auffälligkeiten früher oder später. Dabei kann es zu untypischen Motorgeräuschen, schlechtes Fahrverhalten oder Aussetzen des Motors kommen. Merken Sie während des Tankvorgangs, dass Sie den falschen Sprit getankt haben, sollten Sie so viel richtigen Kraftstoff wie möglich nach tanken oder den Pannendienst rufen.

Wie viel kostet Tank auspumpen?

Durch das Auspumpen der Kraftstoffanlage, entstehen Kosten in Höhe von ca. 150 bis 200 Euro. Je nach Folgeschäden durch den falschen Kraftstoff, kommen weitere Reparaturkosten auf Sie zu.